DER EICHWALD
Die Entstehung der Eichwaldsiedlung durch Baugenossenschaften.
Als westlicher Ausläufer des Kaufunger Waldes bildete der Eichwald vor
etwa eintausend Jahren eine bewaldete und zusammenhängende Grundfläche.
Dieser Zusammenhang wurde nach der Entstehung der beiden Dörfer Heiligenrode
und Umbach unterbrochen.
Um etwa 1740 entstand am Eichwald die Fasanerie, welche um 1830 durch einen
Tierpark erweitert wurde. 1876 brannte ein Teil der Fasanerie nieder und wurde
durch das Eichwaldrestaurant ersetzt. Heute befindet sich auf dem Platz des
ehemaligen Eichwaldrestaurants der Grillplatz.
Um 1905 wurde das Gelände von der Stadt Kassel vom Forstfiskus gepachtet.
Als nun öffentlicher Park wurde der Eichwald oft als "Wilhelmshöhe
von Bettenhausen" bezeichnet. Auch weit über die Grenzen der Stadt
Kassel hinaus war das Eichwaldrestaurant als beliebtes Ausflugsziel bekannt.
1918 erwarb die "Kleinhaus-Baugenossenschaft" das Land, worauf später
die Eichwaldsiedlung errichtet wurde. Aus finanziellen Gründen mußte
die Baugenossenschaft nach nur kurzem Bestehen wieder aufgelöst werden.
Etwa 100 ehemalige Mitglieder der "Kleinhaus-Baugenossenschaft" gründeten
kurze Zeit später die Baugenossenschaft Eichwald. Zum größten
Teil bestand die Baugenossenschaft aus Arbeitern, die es sich zum Ziel gemacht
hatten, sich ein eigenes Heim zu schaffen. So wurden bis zum Jahre 1933 rund
70 Eigenheime am Eichwald errichtet.
Durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Baugenossenschaft
noch im selben Jahr aufgelöst. Es wurde berichtet, daß der ehemalige
Vorsitzende die Genossenschaft kurz nach der Fertigstellung seines eigenen Hauses
im Streit verlassen habe. Daraufhin unternahm er mehrere, schließlich
auch erfolgreiche Versuche, die Baugenossenschaft auflösen zu lassen. Er
soll auch nicht davor zurückgeschreckt sein, dem neu gewählten Vorsitzenden
die SA zu schicken, wenn er sich nicht freiwillig dazu bereit erklären
würde, die Genossenschaft aufzulösen. Er fand schließlich beim
NSDAP-Beauftragten des Stadtteils einen Verbündeten gegen die Genossenschaft.
Ein neuer Vorstand wurde eingesetzt, der die Auflösung gegen den Willen
der meisten Mitglieder beschlossen haben soll.
Zur Zeit des Faschismus wurden unterhalb des Eichwaldes Baracken errichtet,
die zur Unterbringung ausländischer Zwangsarbeiter dienten. Nach dem Krieg
wurden diese zur Unterbringung von Obdachlosen verwendet.
Die "Bunte Berna" und die "Wormser"
Um das Gelände zu planieren, waren große Erdbewegungen nötig,
und zu allem Überfluß war der Boden zäh und schwer wie Ton.
Es regnete fast ununterbrochen, als die Siedler in Gruppen von fünf Mann
die Arbeiten aufnahmen. Es dürfte niemanden verwundern, daß man mutlos
wurde und wieder aufgab. Aber es kamen andere, und schließlich wurden
unter Mithilfe des Arbeitsdienstes die Erdarbeiten zu Ende geführt. Es
begannen zugleich 3 Baufirmen mit dem Bau der Häuser, somit konnten schon
im September 1937 die ersten Wohnungen an der Escheroder Straße bezogen
werden.
Auf dem Forst, dem ehemaligen Gelände der Munitionsfabrik, hatte sich 1935
die Spinnfaser AG Kassel angesiedelt. Der nordhessische Arbeitsmarkt konnte
die Nachfrage nach Fabrikarbeitern schon im Rahmen der für den Krieg geplanten
ausgedehnten Produktion nicht mehr befriedigen. So wurden Arbeitskräfte
aus der alten Kaiserstadt Worms angeworben. Indem das Unternehmen und die Stadt
Worms den Arbeitern und Ihren Familien Darlehen zur Verfügung stellten,
wollte man dem Wohnungsproblem entgegentreten. Nördlich des Eichwaldes
wurden mit der Hilfe der Hessischen Heimstätte Grundstücke erschlossen.
Es entstanden im Laufe der Zeit Häuser an der Escheroder-, Benderoder-,
Nienhagener- und Ziegenhagener Straße. Zur selben Zeit etwa wurden die
Häuser im hinteren Teil des Umbachsweges ausgebaut und modernisiert.
Die Siedler konnten erst wieder einige Jahre nach dem Krieg an´s Feiern
denken. Es mußten erstmal die fast völlig zerstörten Häuser
neu aufgebaut werden. Kaum ein Haus war in der "Wormser Siedlung"
nicht beschädigt.
Anfang der 50er Jahre gründete sich dann der "Bürgerverein Eichwald"
unter dem Vorsitz von Helmut Fey. Unter Fey organisierte der Bürgerverein
das erste Eichwald-Fest.